Placebo und Nocebo in der Onkologie

Im Körper wirkt, wovon der Geist überzeugt ist

Dr. med. Walter Weber

Ziel dieses Artikels ist es, dem Laien/ Patienten ein Verständnis von Placebo und Nocebo nahezubringen, da ein Nocebo einen  ( gesundheitlichen ) Schaden anrichten kann, wenn der Laie/ Patient darauf nicht vorbereitet ist. Der Arzt sollte lernen, Nocebos zu vermeiden.

Ein Placebo ( wörtlich übersetzt: ich werde gefallen, ich werde nutzen ) ist ein Scheinmedikament, z.B.  Milchzucker, das überraschenderweise eine Wirkung erzeugen kann. Ist diese Wirkung positiv, z.B. Verschwinden von Magenbeschwerden, so sprechen wir von einem Placebo-Effekt. Ist die Wirkung negativ, z.B. Auftreten von Kopfschmerzen, so sprechen wir von einem Nocebo-Effekt ( wörtlich übersetzt: ich werde schaden ).

In fast jeder Studie werden die „wirklichen“ Medikamente mit Scheinmedikamenten verglichen, um herauszufinden, wieviel Wirkung durch das tatsächliche Medikament hervorgerufen wird ( pharmakologische Wirkung ).

Wir sprechen von einem Nocebo-Effekt beim Patienten, z.B. bei einem Auftreten von Kopfschmerzen durch ein Scheinmedikament. Von einer Nocebo-Antwort beim Patienten sprechen wir, wenn die Reaktionen nur durch die negativen Erwartungen des Patienten entstehen. Es gibt viele Möglichkeiten, wie Nocebo-Antworten hervorgerufen werden können: Informationen, Beipackzettel, Gespräche, Gestik und Mimik, Geräusche oder Gerüche.

Bei der Nocebo-Antwort finden wir die Verknüpfung   einer unbewussten negative Erwartungshaltung mit erlernten Reaktionsmustern( Konditionierung ): Im Körper wirkt, wovon der Geist überzeugt ist, z.B. Speichelfluss beim Anblick einer Zitrone. Die Effekte sind real und körperlich messbar. 

Nehmen wir den (Nocebo-)Satz eines Arztes: „Das sieht aber schlecht aus“. Ein Patient, der genau dieses fürchtet  ( bewusst oder unbewusst ), wird höchst – wahrscheinlich einem Symptom oder Missempfin -dungen reagieren. Ist der Geist nicht davon überzeugt, so wird dieser Satz den Patienten „kalt“ lassen.

Der  Arzt in der Onkologie hat eine besondere Verantwortung, eine Nocebo-Antwort zu vermeiden. Texte wie „Sie sind…“, „Sie haben..“ können zu körperlichen Reaktionen führen bis hin zu schwersten Auswirkungen. Der berühmte Arzt Hufeland sagte: „Den Tod verkünden heißt den Tod geben. Und das kann niemals ärztliche Aufgabe sein.“

Wie kann sich ein Patient gegen Nocebo-Antworten schützen? Günstig ist es in der Onkologie, Gespräche mit dem Arzt nie alleine zu führen: Im Körper wirkt, wovon der Geist überzeugt ist. Wenn der Patient die Gespräche mit einer vertrauten Person besprechen kann, können sich weniger negative Auswirkungen bei ihm festsetzen.

Einer Patienten hatte eine Ärztin gesagt ( wörtlich ): „Sie werden an dieser Erkrankung sterben“. Diese Nocebo- Aussage „saß“ und bewirkte bei der Patientin eine langanhaltende  Depression.

Als mich die Patientin später aufsuchte, konnte ich ihr in  einem Gespräch klarmachen, dass man natürlich an einer Erkrankung sterben könne. Die Ärztin könne dies in ihrem Fall aber gar nicht wissen, da sie sich nur auf statistische Aussagen berufen könne, nicht aber auf ihren Einzelfall. Ich konnte der Patientin also klar-machen: „Sie kann es gar nicht wissen!“ Die Folge: Im  Körper wirkt, wovon der Geist überzeugt ist. Die Patientin war jetzt gegen die Aussagen dieser Ärztin gewappnet. Ihre depressive Verstimmung verschwand nachhaltig.

Ein Kommunikationstrainung  während des Medizinstudiums und in ärztlichen Fortbildungen ist sinnvoll, um zu lernn, die Macht der Worte des Arztes zum Nutzen des Patienten einzusetzen und Schaden abzuwenden. Worte sind ein mächtiges Werkzeug, über das ein Arzt verfügt. Worte sind allerdings ein zweischneidiges Schwert: sie können verletzen und heilen. Erwartungen und Ängste des Patienten spielen hier eine große Rolle. Die Rolle der Nocebo-Antwort und seine Auswirkungen auf Körper und Seele des Patienten kann gar nicht hoch genug eingestuft werden, zumal es sich in der Onkologie immer um Leben und Tod handelt. Das sollte jedem Arzt bewusst sein.

Den Körper durch die Seele heilen

Interview mit Professor Christian Schubert

Professor Christian Schubert leitet das Labor für Psychoneuroimmunologie
an der Klinik für Medizinische Psychologie der Medizinischen Universität
Innsbruck. Seine Forschung zielt auf die Möglichkeiten,
mit Psychotherapie körperliche Krankheiten zu behandeln und zu heilen.
Beim Patienten-Arzt-Kongress der Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr
hielt Professor Schubert den Vortrag »Psychoneuroimmunologie
– kann Glaube heilen?«.

Das gesamte Interview können Sie hier im PDF-Format herunterladen: 2015_4_Signal_Schubert_f_NL10_2015

 

 

 

Krebs: Wo stehe ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?

Erweiterter Stammbaum (Genogramm) und Aufstellung fördern die Heilung

Ein Beitrag von Dr. med. Thomas Heucke

Der vorliegende Artikel geht davon aus, dass Krebs mit einer Beeinträchtigung von Beziehungen und Kommunikation einhergeht. Daraus ergibt sich, dass Zugehörigkeitsgefühl zur Heilung beiträgt. Eine Betrachtung der Krebserkrankung im gesellschaftlichen Kontext und von ihrem Wesen her lenkt den Blick auf ein doppeltes Menschenbild als Grundlage für die hier vorgestellte Arbeit mit dem erweiterten Stammbaum, dem Genogramm, sowie Familien- bzw. Systemaufstellungen. Wie diese beiden Werkzeuge zu einem tieferen Verstehen von lebensgeschichtlichen Ereignissen auf ihrem familiären Hintergrund beitragen und wie sie gemeinsam die ganzheitliche Heilung, näher hin das Zugehörigkeitsgefühl, fördern, soll schließlich am Beispiel eines 52jährigen Patienten mit Blasenkrebs erläutert werden. Daraus lassen sich Hinweise ableiten, welche Schritte (neben anderen) jeder Einzelne vollziehen kann, um auf seinem Weg gesunder Entwicklung ein Stück voranzukommen.

Den gesamten Artikel können Sie hier im PDF-Format herunterladen: Krebs: Wo stehe ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?